Pöhm´s e-mail Letter Feb/Mär. 01
Liebe Leser
Hier ist er nun, der zweite Letter, der nun in unregelmässigen Abständen zu Ihnen kommt.
1) Schreiben ohne Fehler zu korrigieren
Mein Rhetorikbuch mit dem Titel “Vergessen Sie alles über Rhetorik”, ist nun fertig und zum Verlag abgeschickt. Es wird ca 240 Seiten umfassen. Ich habe 60 Tage daran gearbeitet. Jeden Tag circa 2 bis 3 Stunden. Ich habe eine Technik angewandt, die es mir ermöglichte, sehr schnell zu schreiben. Die Technik können auch Sie anwenden.
Schreiben Sie einmal, ohne direkt Ihre Fehler zu korrigieren. Sie verdoppeln dadurch Ihre Schreibgeschwindigkeit. Dies ist ein Ansatz, auf den ich selbst erst neu gekommen bin. In letzter Zeit hatte ich viele Leute, die zu mir ins Einzelcoaching Rhetorik gekommen sind. Zum Einzelcoaching Rhetorik kommen Menschen, die eine wichtige Präsentation halten müssen und die sie mit mir zusammen entwickeln wollen. Früher war es so, dass sich der Kunde während des Coachings selbst stichpunktartig, den roten Faden der Rede notierte. Heute aber gebe ich ihm nach dem Coaching die fertige Rede als Datei mit nach Hause.
Neu ist: Ich selbst schreibe die Ideen, die sich entwickeln sofort in meinen Computer – ganze fertige Textpassagen. Um das leisten zu können, musste ich wesentlich schneller im Schreiben werden. Ich habe mir dazu antrainiert alle, wirklich alle Fehler erst einmal im Textverarbeitungsprogramm stehen zu lassen. Und das funktioniert. Die Schreibgeschwindigkeit erhöht sich dadurch dramatisch. Es braucht am Anfang etwas Disziplin. Sie müssen beim Schreiben einfach Ihre beiden Delete-Tasten auf der Tastatur vergessen. Sie verbieten sich schlichtweg während des Schreibens einer dieser beiden Tasten zu benutzen. Wenn Sie Angst haben, dass dabei unentzifferbares Kauderwelsch entsteht, so probieren Sie es einfach mal aus. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Sie Ihren Text immer einwandfrei entziffern können. Und erst wenn der Text fertig ist, gehen Sie ihn danach systematisch durch und machen in einem Aufwasch die Fehlerkorrektur (Oder geben´s Ihrer Sekretärin) Im Endergebnis werden Sie um einen Multiplikationsfaktor schneller, als wenn Sie direkt bei der Eingabe alle Fehler sofort ausmerzen. Versuchen Sie es einmal selber. Das gilt natürlich nicht nur für Bücher schreiben, sondern für jede Art von Text: Briefe, Memos, Sitzungsprotokolle, Zeitungsbeiträge oder was auch immer Sie am PC zu schreiben haben.
Am Anfang sträuben sich die Finger. Es widerspricht einem unserer Grundprogramme: Wir trauen uns nicht, sichtbar fehlerhaft zu sein und Fehler einfach stehen zu lassen. Wenn Sie es trotzdem tun, kommen Sie dabei nicht nur wesentlich schneller voran, sondern Sie machen auch eine mentale Übung fürs Leben: Sie lernen, die so oft propagierte Fehlerfreudigkeit wirklich anzuwenden – Sie lernen, fünf gerade sein zu lassen – Sie lernen, weg vom lähmenden Perfektionismus zu kommen – Sie lernen, dass eine schnelle erste Lösung immer besser ist, als die lang gesuchte optimalste Lösung. Versuchen Sie´s mal. Sie werden richtiggehend Vergnügen daran finden und Sie werden einfach schneller im Texte verfassen.
2) Die Macht von Gleichnissen
In letzter Zeit konnte man viel über die angeschlagene SwissAir lesen. Mario Corti, neu ernannter Chef der Sair Group, ist nun angetreten, den in die Schräglage geratenen Luftfahrtkonzern zu sanieren. Wer ihn in seinen Interviews beobachtet hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass er die ganze Mission immer mit einem Gleichnis beschreibt. Er spricht von einem “Flugzeug”, das in einen Notlage geraten ist und bei dem man nun das Notmassnahmeprogramm des Flugzeugs einleiten muss. Er spricht zum Beispiel von sich als Kapitän, der nun verantwortlich ist, einen “geregelten Sinkflug” einzuleiten. Fast jede Frage der Journalisten antwortet er mit einem Bezug auf dieses Gleichnis, des in Not geratenen Flugzeugs. So antwortet er beispielsweise auf die Frage des Journalisten, warum er sowohl den des Verwaltungsratposten als auch den CEO-Posten inne hat: “Schauen Sie, bei einem Flugzeug, dass in der Luft in Gefahr ist, übergibt der Co-Pilot die gesamte Verantwortung an den Kapitän …” Hat der Zuhörer erst einmal das Gleichnis akzeptiert, wird es schwer für ihn, sich aus der Logik des bildhaften Vergleichs zu lösen.
Teilweise wurde es bei Mario Corti auch absurd. Der Journalist fragte: “Sie haben jetzt die Notbremse gezogen …” – Darauf Corti: “Nein, bei einem Flugzeug kann man nicht die Notbremse ziehen, das ist tödlich, dann stürzt es ab…” Hier hakte der Journalist ein: “Gut, das gilt für ein Flugzeug, Sie haben aber ein Unternehmen zu führen, dass sehr wohl am Boden ist…”
Die wenigsten wären auf diesen Einwand gekommen, weil im Normalfall Gleichnisse in sich nicht überprüft werden.
Das faszinierende ist, durch Gleichnisse können Sie die Logik als Filter umgehen. Sie funken mit einem Gleichnis direkt in das Unterbewusstsein der Zuhörer. Denn ein Gleichnis wird erst einmal nicht auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft. Zu wirksam und verführersich ist das Bild, das energielos im Unterbewusstsein entsteht. Das ist teuflisch. Sie können durch Gleichnisse den Menschen Unfug plausibel machen, die sie vom wachen Bewusstsein her ablehnen würden.
Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiele, von einer Aussage, die Sie wahrscheinlich von Ihrem wachen Verstand als logisch einschätzen. Und dann werde ich durch ein Gleichnis versuchen Ihre Logik kurzzuschliessen und Sie ins Wanken zu bringen.
Stimmen Sie folgender Aussage zu?
“Ein Rhetoriktrainer sollte mit gutem Beispiel vorangehen und selbst tun, was er predigt.”
Sind Sie damit einverstanden?
Nun mein Versuch Ihre Logik zu umgehen:
Der Wegweiser muss nicht den Weg gehen, den er weist
Hm! Das Bild sitzt in Ihrem Unterbewusstsein. Es ist in sich schlüssig. Spüren Sie, wie Sie innerlich schwanken, oder sogar schon umgekippt sind?
Wenn das Bild in sich logisch ist, überträgt es das Unterbewusstsein willfährig auf die Ausgangssituation.
Wie können Sie das jetzt auf die Rhetorik übertragen? Sie können durch Gleichnisse alle Ihre Argumente den Zuhörern plausibel machen. Und zwar unabhängig davon, ob sie wirklich plausibel sind oder nicht, das spielt gar keine Rolle. Die Zuhörer akzeptieren Ihr Argument, weil das Gleichnis stimmt, nicht weil das Argument schlüssig ist. Damit bekommen Sie Macht.
Jetzt aber die entscheidende Frage: Die Beispiele sind ja ganz anschaulich, aber wie kommt man selbst auf solche Gleichnisse? Eine Frage, die ich in keinem Rhetorikbuch beantwortet bekommen habe. Ich habe also selbst überlegt und eine Lösung gefunden. Es ist wesentlich einfacher als Sie vielleicht denken. Ich habe dazu einen Trigger-Satz entwickelt. Das ist ein Satzanfang, der Ihr Hirn anregt, mögliche Ergebnisse auszuspucken. Und zwar sagen Sie sich nur:
Das ist genauso als wenn…
(Das ist das selbe wie… ; Das gleicht…, Das ist genauso als ob…..)
Und dann fahren Sie den Satz fort. Sie suchen jetzt nach einem Vergleich in der Alltagswelt, wozu jeder ein Bild abgespeichert hat. Suchen Sie mehrere Lösungen. Nicht jede wird treffen und zwingend sein. Das ist auch nicht notwendig. Aber nach drei, vier Versuchen haben Sie plötzlich genau das Gleichnis, dass passt.
Angenommen, Sie wollten folgende Aussage mit einem Gleichnis stützen: “Wenn Sie einmal etwas gelernt haben und Sie praktizieren es längere Zeit nicht, dann kommen Sie mit wenig Mühe wieder hinein”
Jetzt sagen Sie sich den Trigger-Satz: “Das ist genau als wenn…” und überlegen sich einen Fall, wo die Problemstellung ähnlich ist. Sie fragen sich: Wo, in der allen bekannten Alltagswelt, wird etwas gelernt, dann wird es lange nicht praktiziert und trotzdem behält man die Fähigkeit bei. Jetzt könnten Sie beispielsweise sagen: “Das ist das selbe als wenn Sie einen Vogel fangen und in den Käfig sperren. Wenn Sie ihn nach Jahren wieder frei lassen, wird er sofort wieder fliegen.”
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und tun Sie auch, was Sie für richtig halten!
Matthias Pöhm
Filed under: Power-Letter
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