Liebe Leser

Hier ist er nun, der Power-Letter Februar 2002. Wenn Sie den Powerletter interessant finden, so schicken Sie ihn doch einfach per email an Freunde weiter. Unter www.poehm.com kann jeder Interessierte sich eintragen.

Sie finden 6 Artikel:

1) Neue Methode: Feststellungsfrage als Entscheidung

2) Neue Statements zum Coaching

3) Ideale Mitarbeiterbeziehung – ideale Kundenbeziehung

4) Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein

5) Sieger im Schlagfertigkeits-Gewinnspiel

6) Erwiderungen beim Radiointerview

1) Neue Methode: Feststellungsfrage als Entscheidung

Ich bin auf eine neue Art der steuernden Fragearten gekommen. Es ist eine Abwandlung der Feststellungsfrage. Zur Wiederholung. Feststellungsfragen sind Fragen, bei der eine Aussage mit einer direkt dahinter folgenden Frage kombiniert wird. Der Angesprochene konzentriert sich dann meist auf die Frage und akzeptiert dadurch die vorhergehende Aussage. Wie alle steuernden Fragearten funktioniert auch diese Frageart nur, wenn der Befragte schwankend oder zögernd ist. Wie funktioniert nun die neue Frageart? Sie fällen für den anderen per Aussage eine Entscheidung und fügen direkt ohne Pause eine Frage an. Durch die Beantwortung der Frage, steht die Entscheidung gar nicht mehr zur Diskussion und ist dadurch akzeptiert. Beispiel: Angenommen Sie sind eine Frau und werden von einem männlichen Kollegen zu seiner Privatparty eingeladen -alleine! Sie würden aber gerne mit ihrem neuen Freund kommen. Jetzt können Sie mit dieser neuen Feststellungsfrage gefahrlos auch Ihren Partner mit einladen, ohne Widerstände befürchten zu müssen. Sie sagen: ” Ich komme mit meinem Freund. (Das ist die Aussage, die eine Entscheidung einschliesst. Und dann die Frage:) “Kennst du meinen Freund?” Jetzt wird der Partyveranstalter erst einmal die Frage beantworten – und die Aussage, die im Fahrwasser der Frage mitschwimmt, ist damit akzeptiert.
Anderes Beispiel: Der Vater möchte, dass der Sohn die Mülltonne runterträgt. Er ruft zur Mutter: “Kannst du bitte Thomas sagen, er soll die Mülltonne runter tragen”. Die Mutter antwortet: “Er ist gerade beschäftigt und kann nicht. Wann kannst du?” Die Entscheidung, dass Thomas jetzt dafür nicht zu haben ist, wird durch die anschliessende Frage zu einer fast unumstösslichen Tatsache. Oder noch ein Beispiel: die klassische Situation, bei der Sie einem zögernden Kunden die Kaufentscheidung abnehmen. Der Verkäufer sagt: “Wir liefern dann 20 Stück. Wohin sollen sie gehen?”

2) Neue Statements zum Coaching

Seminare abhalten macht mir schon unwahrscheinlich Spass, aber noch einen grösseren Kick bekomme ich, wenn ich mit Leuten im Einzelcoaching eine Rede auf Vordermann bringe. Das macht mir derart Laune, dass ich dabei manchmal richtiggehend in Euphorie gerate. In Letzter Zeit hatte ich sehr viele Coaching- Kunden, die ich für wichtige Reden getrimmt habe. Viele davon haben mir ein Statement geschrieben. Falls Sie mal selber dran gedacht haben, sich für eine Rede vorbereiten zu lassen: in meiner Homepage unterhttp://www.poehm.com/mehr/coaching.html können Sie ein bisschen in Feedbacks stöbern.

3) Ideale Mitarbeiterbeziehung – ideale Kundenbeziehung

Wissen Sie, wie Sie erkennen, ob Sie den idealen Mitarbeiter haben? Wenn Sie erkennen, dass der Mitarbeiter dankbar ist, bei einer so guten Firma, wie der Ihren arbeiten zu dürfen. Umgekehrt müssen Sie als Firma aber auch dankbar sein, dass so ein toller Mitarbeiter Ihre Firma ausgesucht hat. Dann haben Sie ein ausgeglichenes, gesundes Verhältnis. Bei einer Beziehung müssen immer beide Partner dankbar sein, dass der andere bei ihm ist. Wenn nur eine Seite dieses Gefühl hat, ist die Beziehung auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Das selbe gilt für die ideale Kundenbeziehung. Der Lieferant muss dankbar sein, bei einer so guten Firma Lieferant zu sein. Umgekehrt muss die Auftragsfirma dankbar sein, so einen tollen Lieferanten zu haben. Das ist die echte, gefühlsmässige Win-Win Situation. Die sollten Sie anstreben. Überprüfen Sie mal Ihre Kunden- und Ihre Lieferantenbeziehungen nach diesem Kriterium. Das selbe Prinzip können Sie natürlich auch auf die Partnerschaft zwischen Mann und Frau übertragen. Wenn nur der eine stolz auf den anderen ist, werden Sie niemals auf Dauer glücklich werden. “Der Kunde ist König” müsste eigentlich ersetzt werden durch “Der Partner ist König”. Sie brauchen immer zwei Könige, um auf Dauer ein gesundes Verhältnis zu haben. Wenn das nicht so ist, wird ein Partner früher oder später, ohne Bedauern, die nächst bessere Gelegenheit zum Wechsel nutzen.

4) Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein

Kürzlich führte ich ein Interview mit der Zeitschrift “Shape”. Eine der Fragen des Journalisten lautete: “Wie hängt Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein zusammen?” Diese Frage wird mir öfter gestellt. Deshalb will ich Sie hier einmal beantworten.

Das Entscheidende bei der Schlagfertigkeit ist, dass der Schlagfertige Dinge zu sagen wagt, von denen er niemals sicher weiss, ob sie auch ankommen. Er riskiert die Peinlichkeit, dass seine Antworten daneben gehen könnten, er riskiert, dass das Gegenüber ihm mit schärferer Klinge zurückgibt, er riskiert, dass der andere seine Methode kennt und offenlegt. Die Schlagfertigkeit, mit der jedermann immer zufrieden ist, wie einige Trainer propagieren, die gibt es nicht. Aber der Schlagfertige tut es trotzdem. Das ist Selbstbewusstsein. Man trainiert einen Muskel im Hirn. Das ist der Muskel: offensiv durchs Leben zu gehen, Dinge zu wagen ohne Garantie, dass sie gut gehen, den Mut zu haben, aufzufallen oder sich auch einmal zu blamieren. Die meisten Menschen, die nicht schlagfertig reagieren, tun dies aus Angst, vor der Reaktion des anderen. Es liegt in erster Linie nicht an der fehlenden Technik. Die Leute haben Schlagfertigkeits-Verhinderungsprogramme wie “was denkt jetzt wohl der andere von mir” oder “Das kann man aber doch nicht sagen” oder “der hält mich sicher für frech”…u.s.w Sie zensieren sich selbst und verbieten sich schlagfertig zu reagieren. Dadurch kommen sie aus der Übung – und alles, was nicht benutzt wird, bildet sich zurück. Der Schlagfertigkeits – Muskel erschlafft. Die Schlagfertigkeit können Sie sich als ein Rad im Getriebe des Selbstbewusstseins vorstellen. Es ist egal an welchem Rad Sie drehen. Alle Räder greifen ineinander und wenn sich ein Einzelnes bewegt, bewegen sich die anderen immer mit. Auch wenn Sie sich selbständig machen, oder wenn Sie öffentlich Reden, oder Fallschirmspringen stärkt das Ihr Selbstbewusstsein und damit indirekt auch Ihre Schlagfertigkeit.

Der Bericht soll übrigens in der Märzausgabe von “Shape” erscheinen.

5) Sieger im Schlagfertigkeits-Gewinnspiel

Diesmal sind uns wieder eine Vielzahl von schlagfertigen Erwiderungen zugegangen. Die Auswahl fiel schwer. Wir haben wieder zwei Sieger auserkoren.

1. Sieger: Rolf E. Ernst, aus Zürich
Eine Begebenheit, die schon 10 Jahre her ist, aber den Spruch finde ich immer noch gut

Ich wurde von meinem damaligen Vorgesetzen gefragt:
“Du als Vegetarier, wie machst du es eigentlich mit den fleischlichen Gelüsten?”
Ich, ohne zu zögern: “Nur junges Gemüse!”

(Kommentar M. Pöhm: Technik: Absichtliches Missverstehen)

2. Sieger: Christian Blaim, aus Basel
Hier eine sehr gute Erwiderungen, die im amerikanischen Radio gegeben wurde. General Reinwald war zum Interview eingeladen, weil er eine Pfandfindertruppe unterstützte und die Jungs dabei seine Militäranlagen besuchen liess. Er wurde von einer Moderatorin interviewt.

Moderatorin: General Reinwald, was werden Sie den Jungen zeigen, wenn sie Ihre Militärbasis besuchen.
General Reinwald: Wir zeigen Ihnen Klettern, Bogen schiessen, Kanu fahren und Schiessen.
Moderatorin: Schiessen? Aber denken Sie nicht, es ist wahnsinnig gefährlich, Kinder dazu auszurüsten, dass sie zu gefährlichen Killern werden?
General Reinwald: Frau Moderatorin, Sie sind dazu ausgerüstet eine Prostituierte zu werden, aber Sie sind es nicht – stimmt’s?
Darauf wurde es ruhig im Radio und das Interview wurde abgebrochen.

Die beiden Gewinner erhalten als Preis das Buch “Vergessen Sie alles über Rhetorik” im Wert von CH39,80

Wir drucken hier aber noch eine weitere gelungene Antwort ab:

Margrit Lötsch, aus Singen
Der Chef brüllt: “Das stimmt doch hinten und vorne nicht.”
Der Angestellte: “Dann probieren Sie’s doch mal von oben!”

(Kommentar M. Pöhm: Technik: Nonsens als Antwort)

6) Erwiderungen beim Radiointerview

Als Schlagfertigkeits-Trainer hat man es oftmals auch mit Journalisten zu tun, die meinen, mich immer dann als Fachmann für beliebige Kommunikations-Situation ansprechen zu können, wenn sie nur die Vorsilbe “schlagfertig” davor setzen. So bekam ich eine Anfrage von der Zeitschrift “Freundin”, ich solle doch Tipps geben, wie man Weihnachtsgeschenke ohne Kassenzettel am besten “schlagfertig umtauschen” könnte. Ein Fernsehmoderator von SAT 1 meinte, er müsse mich jetzt “ganz schlagfertig unterbrechen”, die Luzerner Zeitung wollte “schlagfertige Small-Talk Tipps” und jetzt im Oktober war ich zu einem Radiointerview in München eingeladen, wo mir, wie so oft, verschiedene Situationen geschildert wurden, zu denen ich spontan eine schlagfertige Erwiderung finden sollte. Ein Teil davon hatte mit Schlagfertigkeit wieder mal nichts zu tun. Die Moderatorin wollte z.B. wissen: Wie angele ich mir “schlagfertig” den Traumprinz. Den Tipp “Gesichtsoperation” wollte ich Ihr nicht geben, also hab ich geschwiegen. Aber auf andere geschilderte Situationen ist mir doch was eingefallen. Hier eine Auswahl:

Jemand will eine Gehaltserhöhung. Der Chef fragt: “warum?”
Ich: “Weil es zu Ihrem Vorteil ist”

Ein Mann baggert eine Frau an. Er: “Kann ich dir meine Briefmarken zeigen?”
Ich: “Ja, OK! Wenn sie mir nicht gefallen, ziehe ich mich halt wieder an.”

Ein Mann baggert eine Frau an: “Na. Allein schöne Frau?”
Ich: “Ja, und das gerne”

Die Frau fragt ihren Partner: Fällt dir was auf?
Er sagt wie immer: “Nein” Was soll man sagen?
Ich: “Aber Schatz, ich habe eine Gasmaske auf!”

Zwei stossen mit ihrem Einkaufswagen zusammen. Der Traumprinz steht vor einem. Was soll man sagen?
Ich: “Weißt du was mir an dir gefällt?”
Er: “Nein”
Sie: “Alles!”
Und dann wortlos weggehen.

Jemand hat Kaffe verschüttet.
Der andere mault: “Mensch pass doch auf!”
Ich: “Hab ich doch – ich hab dich getroffen

Seminar “Präsentieren als Infotainment” in Nürnberg: Ausgebucht
Das Seminar “Präsentieren als Infotainment” am 6./7März im Schindlerhof, Nürnberg ist bereits ausgebucht. Wer in Deutschland dieses Frühjahr noch das Rhetorik-Seminar besuchen will, der kann dies nun nur noch in München am 4./5. April 02 tun. Bitte beeilen, weil auch dort nur noch wenige Plätze frei sind. Anmeldung unter: “Präsentieren als Infotainment”.

Ist Ihnen die Antwort wieder einmal zu spät eingefallen? Das muss nicht so bleiben. Schlagfertigkeit ist nicht angeboren, sondern erlernbar. Anmeldung zum Seminar “Schlagfertig & erfolgreicher”

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und tun Sie auch, was Sie für richtig halten!

Matthias Pöhm

P.S.
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Schlagfertige sind erfolgreicher

Filed under: Power-Letter

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